© Ulrike Klumpp

Historisches Platzmeisterhaus und -garten 

Industriekultur und Biedermeier

  • Augmented Reality: Fluss der Zeit

  • Das Platzmeisterhaus mit Platzmeistergarten im Christophstal

    Das Platzmeisterhaus im Christophstal ist ein authentisches Relikt der frühen Eisenindustrie und ein gut erhaltenes und bewahrenswertes Zeugnis aus der Biedermeier-Zeit. Erbaut 1838 in doppelschaliger Sandsteinbauweise, diente es als Wohn- und Verwaltungsgebäude der Königlichen Hüttenwerke Christophstal. 

  • Verwaltungssitz der Hüttenwerke

    Das Gebäude war der Verwaltungssitz der einstigen Königlich Württembergischen Hüttenwerken in Christophstal und Friedrichstal (heute Schwäbische Hüttenwerke GmbH). Der Platzmeister war als Betriebsleiter für kaufmännische Aufgaben, Werkserweiterungen, Personaleinteilung und Sicherheit zuständig. Seine gehobene Stellung zeigte sich darin, dass ihm eine eigene Wohnung zustand – nur der Direktor in Stuttgart stand über ihm. 

  • Bekannte Platzmeister

    Zu den Platzmeistern gehörten Johann Martin Pulvermüller, zuvor Hüttenschreiber in Tuttlingen und sein Sohn Friedrich August Pulvermüller, s. dazu auch die Box auf dieser Seite. Der letzte Platzmeister, Bromberger, wohnte noch im Haus, als sich sein Büro bereits in Friedrichstal befand. Auf dem Friedhof in Freudenstadt erinnert ein Kreuz an ihn. 

  • Wohn- und Arbeitsräume

    Die Wohnung des Platzmeisters befand sich im Obergeschoss mit Blauem Salon, Schlafzimmer und einer Küche mit offener Esse. Im Erdgeschoss lagen Büro und Lagerraum mit vergitterten Fenstern. Zwei Kammern im Dachgeschoss dienten Bediensteten als Unterkunft. Die Holzfußböden der Wohnetage bestanden aus Pitch Pine, einem widerstandsfähigen Holz der amerikanischen Pechkiefer. Ein Gewölbekeller mit konstantem Wasserdurchfluss und konstanter Temperatur diente als Vorratsraum.

  • Der Biedermeier-Garten

    Neben dem Haus lag ein bereits 1856 in einer alten Flurkarte verzeichneter Gemüsegarten, umgeben von einem mit Hagsäulen gestützten Zaun. Vermutlich handelte es sich um einen Mischgarten mit Nutz- und Zierpflanzen, passend zur Bauzeit des Platzmeisterhauses – kann man wohl sagen: ein typischer Biedermeier-Garten. 

  • Der abenteuerlustige Erfinder des Herdfrischverfahrens

    Der junge Friedrich August Pulvermüller musste 1793 nach seiner Schreiberlehre im Hüttenwerk Friedrichstal die Stelle seines erkrankten Vaters als Platzmeister übernehmen. Neugierig und abenteuerlustig eignete er sich Fachwissen zu Schmiede- und Schmelztechniken an. Nach einer Reise ins österreichische Ausland gelang ihm 1804 die erste verwertbare Stahlherstellung im Königreich Württemberg. Dadurch konnten hochwertige Sensen und Gewehre produziert werden. Für seine Verdienste – ein streng gehütetes Werksgeheimnis – wurde er zum Bergrat ernannt und mit einem persönlichen Adelstitel geehrt. Noch mit 75 Jahren leitete Pulvermüller bis 1845 die Hüttenwerke, bevor ihm König Karl den Ruhestand gewährte.

  • Auch im Jahr 2026 wird das Platzmeisterhaus an bestimmten Tagen im Sommer – an den Wochenenden und an Feiertagen – für Besucher offen bleiben.
    Die genauen Öffnungszeiten finden Sie demnächst hier.

Platzmeistergarten
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© Max Günter/ Baiersbronn Touristik
Freudenstadt Christophstal: Bergbau, Handwerk und Frühindustrie
© Max Günther